Deutschland und Russland

Deutsch-russische Beziehungen: Geschichte und Kultur

Die deutsch-russischen Beziehungen wurden oft als zyklisch charakterisiert – unterschiedliche Zyklen der Zusammenarbeit und Allianz oder Unfreundlichkeit und milde Feindseligkeit. Dennoch waren die historischen Verbindungen zwischen beiden Mächten, gelinde gesagt, stark und fruchtbar. Die strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Russland ist in Zeiten des Endes des Kalten Krieges, gefolgt vom deutschen Wiedervereinigungsprozess, stark zu bezeugen. Im Jahr 2014 waren die Beziehungen zwischen den Ländern eher angespannt, da sich beide Länder gegenseitig sanktionierten und damit wirtschaftliche Hürden schufen. Russland und Deutschland sind heute nicht nur historisch und politisch verbunden, sondern auch wirtschaftlich. Die deutsch-russische Zusammenarbeit ist auch durch die Präsenz russischer Konsulate in Deutschland und umgekehrt sehr sichtbar. Es gibt heute viele russische Konsulate in Deutschland, darunter unter anderem das Honorarkonsulat in Baden-Württemberg.

Geschichte

Während der Napoleonischen Kriege von 1812-1815 half Russland bei der Befreiung Deutschlands und das trug fast ein Jahrhundert lang zur Freundschaft zwischen den beiden bei. Besonders auffällig für diese Freundlichkeit war die Zeit Otto von Bismarcks, der 1873 den Dreikaiserbund mit Russland, Österreich und Deutschland gründete. Russland kämpfte im Ersten Weltkrieg gegen Deutschland, dem in den 1920er Jahren bessere Beziehungen folgten, aber in den 1930er Jahren fiel man schnell in viel kältere Beziehungen zurück. Die Beziehungen erholten sich 1939-1941, bevor sie mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs, in dem Russland und Deutschland auf entgegengesetzten Seiten kämpften, endgültig ihre Talsohle erreichten und 1945 in der sowjetischen Besetzung Berlins gipfelten.
Was folgte, war der Kalte Krieg von 1947 bis 1991, in dem Deutschland zwischen Ostkommunisten und Westmächten aufgeteilt wurde. Seit dem Ende des Kalten Krieges und der deutschen Wiedervereinigung 1989/91 haben Deutschland und Russland eine „strategische Partnerschaft“ entwickelt. Der Energiesektor ist einer der wichtigsten Faktoren in dieser Partnerschaft, die stark von der gegenseitigen Zusammenarbeit abhängt.

Die Spuren der deutsch-russischen Freundschaft sind bis heute in ganz Baden- Württemberg zu spüren. Dabei reichen diese Verbindungen auf viele Jahrhunderte zurück und prägen die Gesellschaft auf eine ganz besondere Art und Weise, denn keiner, der sich mit der Geschichte Baden-Württembergs befasst, kommt an den vielen Verbindungen der Region mit Russland vorbei.

Die Entwicklungen haben sich auf viele Art und Weisen vertieft: ob im Adel, im technischen Bereich oder in der Gesellschaft, immer wieder haben enge Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu Fortschritt und Entwicklung geführt, die bis heute andauern. Entsprechend bleibt die herausragende Bedeutung der Pflege von Beziehungen zwischen Baden-Württemberg und Russland weiterhin bestehen.

Kultur

Als Folge der aktiven Rekrutierung durch die Zaren Iwan III. und I. IV. entstand im 16. Jahrhundert in Moskau die “Deutsche Vorstadt”. Die Leute, die nach Moskau gebracht wurden, waren sehr oft Spezialisten. Zu den Berufen zählten Apotheker und Ärzte, Ingenieure und Militärs sowie Gelehrte und sonstige Techniker. Der deutsche Einfluss auf die russische Geschichte wurde unter den Nachfolgern Peters des Großen noch stärker. Räte und Minister kamen aus Deutschland. Darüber hinaus war im 19. Jahrhundert in Russland das Interesse an deutscher Literatur und Philosophie groß. Viele berühmte Schriftsteller wie Tolstoi und Dostojewski bezogen sich auf deutsche Autoren wie Hegel bzw. Schiller.Ein Aspekt von hoher Relevanz in den deutsch-russischen Beziehungen heutzutage ist der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen der Zivilgesellschaft und ein Beispiel dafür ist der Petersburger Dialog. Der Petersburger Dialog wurde 2001 von Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gegründet. Mit mehr als 250 Teilnehmern ist der Petersburger Dialog zu einem wichtigen und übergreifenden Aspekt der Verbindung der Länder geworden und bietet die Möglichkeit, an offenen Diskussionen teilzunehmen, die normalerweise aktuellen bilateralen Fragen gewidmet sind. Der Petersburger Dialog ist eines der bekanntesten Foren dieser Art, aber sicherlich nicht das einzige. Weitere wichtige Foren sind das Deutsch-Russische Forum, das Baden-Baden Forum und die Potsdamer Begegnungen. Darüber hinaus gibt es mehr als 100 Städtepartnerschaften zwischen russischen und deutschen Städten, darunter die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart und dem malerischen Samara in Russland.

Interessante Zahlen

Einwohner BW mit Staatsangehörigkeit RUS – 30.425 (2019)
Einwohner DE mit Staatsangehörigkeit RUS – 263.300 (2020)
Anzahl Deutscher Unternehmen in Russland – 3.971 (2020)

Städtepartnerschaft Stuttgart – Samara

29 Jahre alt ist die jüngste Partnerschaft der Stadt Stuttgart mit der Stadt Samara in Russland. Eine Stiftung des Deutsch-Russischen Jugendaustauschs bezeichnet es als Leuchtturm der Partnerschaften und Städtepartnerschaften. Die Partnerschaft zwischen diesen beiden schönen Städten besteht auf vielen Ebenen: auf administrativer, Bildungs- und sozialer Ebene.

Diese Städtebeziehung begann bereits 1992, als die Bürgermeister Oleg Sysujew und Manfred Rommel am 29. Juni in Stuttgart den Partnerschaftsvertrag unterzeichneten. Die Verpflichtung: “… im Rahmen ihrer Partnerschaft der Völkerverständigung und dem Frieden zu dienen und die Voraussetzungen für die Förderung des gegenseitigen Kennenlernens und des Informations- und Meinungsaustausches zwischen Menschen zu schaffen”.

Einige der Verbundprojekte vereinen die Themen Jugend, Sport, Kultur und Wissenschaft sowie ein breites Spektrum an interkulturellen Angeboten. In 2017 feierte die Städtepartnerschaft Stuttgart – Samara einen „Jubiläumssommer“.